No Circus Bike

Sie sind wieder hier. Oder um es mit Marius Müller-Westernhagen zu sagen: „Waren nie wirklich weg, ham‘ sich nur versteckt.“ Was Anfang der 90er kaum einer mehr fahren wollte und flux gegen eine Evo getauscht hat, erfährt seit geraumer Zeit eine Renaissance: Die Shovelheads. Zwei Zylinder, Kickstarter, Potato-Potato-Sound, simple Technik. Die Sehnsucht nach etwas „handfestem“ reizt immer mehr Biker und bildet einen Kontrapunkt zu überfrachteten Bling-Bling-Hobeln oder kurz: „Zirkus-Bikes“. Dass Svens Shovel genau das nicht ist, sondern ein waschechter Chopper alter Schule braucht man eigentlich nicht weiter erklären. Wir wollten trotzdem mehr erfahren und haben ihn getroffen. Im Zirkus. Wo sonst!

Wer bist du, was machst du beruflich, und seit wann?

Mein Name ist Sven und ich bin ein echter Hamburger Jung. Tagsüber als Key Account Manager einer Unternehmensberatung unterwegs, abends und am Wochenende auf motorisierten Zweirädern oder in meiner Garage.

Seit wann fährst du Motorrad?

Seit meinem 15. Lebensjahr bin ich zweirad-motorisiert unterwegs. Begonnen hat es mit einer Zündapp Rahmentank (…für die jüngere Lesergemeinde: das ist ne Mofa), über eine Zündapp GTS 50 ging es zu einer Yamaha Enduro XT250. Nach einer Unterbrechung von ca. 13 Jahren startete ich wieder: mit einer Kawasaki Zephyr 750. Es folgten eine Kawa ZX9R und eine Yamaha R1. Diese Rennkisten bewegte ich auch auf diversen Rennstrecken in Europa wie u.a. Oschersleben und der Nordschleife vom Nürburgring.

Dein Lebensmotto …?

Life is too short to worry about what others say or think about you. So have fun and give them something to talk about.

Selbst gemacht wurde am Bike …?

Dieser Style war das, was ich gesucht hatte. Aber es gab einiges zu tun: Im ersten Winter wurde die Elektrik neu verlegt … mein Gott … als ich das Dash abgenommen hatte: NUR schwarze Kabel. Der zweiten Winter wurde aufwändiger: Motor und Getriebe raus … alles zur Sichtung. Auch wenn man immer sagt „never change a running system“ ich wollte wissen, wie der Zustand des Motors und des Getriebes ist. Und ich wollte den Primär vom Ölkreislauf trennen. Ferner hatten meine Vorbesitzer (welche auch immer) den Motor und das Getriebe mit Krinkle- Motorlack in schwarz überall zugejaucht … und es blätterte an diversen Kanten und Ecken. Also: Technik und Optik des Aggregates waren hier gefragt. Und wenn schon mal alles auseinander, dann ordentlich. Aber ohne unnütz Geld zu verbrennen. Die Köpfe bekamen neue Ventile und Ventilführungen plus Ventildichtungen. Mein Motoreninstandsetzer aus Hamburg hat alles durchgemessen und geprüft: es saß alles perfekt, also nur noch auf die Ventile eingefräst, die Zylinder gehont und neue Kolbenringe eingesetzt. Der Rest des Aggregates war i.o. Nach dem Trockeneisstrahlen sahen Motor und Getriebe wieder aus, wie das Original. Das Getriebe bekam einen neuen Spacer hinterm Kettenritzel. Der Spacer hat einen inliegenden O-Ring, der verhindert dass ggf. Öl über die Welle nach Aussen austritt. Das Teil hat mir ein Kandidat aus Kanada geliefert, der diese Spacer selbst produziert. Und es funktioniert: Alles trocken!

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Was liebst du an deinem Bike am meisten?

Shovel fahren… mehr geht nicht! Man spürt das gesamte Motorrad… Alles! Motor, Getriebe, Bremsen…und den Rücken…trotz Schwingrahmen :-) Ansonsten: Matching Numbers und das es ein ehrliches Bike ist!

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Marke/Typ: Harley Davidson/FXE Shovelhead
Bj.: 1981
Hubraum: 1340
PS/KW: 61/45
Bereifung: Serie
Custom-Parts: S&S Vergaser inkl. Luftfilter, Lenker AME, Vorverlegte Fußrastenanlage Seeger, Fatbob Fender Strutless, Fatbob Tank, Wide Glide Gabel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: (c) Sven Poneleit for MotorPike